Jonathan #13: Der Geschmack des Songrong

Verlag
Eckart Schott Verlag, Wattenheim
Seiten
64
Von
Cosey
Preis
€ 12,90
Veröffentlichung
06/2002


007 ist der Übervater des Agenten. Aber deswegen sind nicht alle Agentenstorys durch schnelle Autos, tausend Tote oder betörend schöne Frauen gekennzeichnet. Cosey zeigt mit "Der Geschmack des Songrong" eine ganz andere, leise und trotzdem mitreißende Variante des Genres.

Natürlich bleibt der Schweizer seiner Story treu und schildert die Kultur in Tibet. Die Unterdrückung durch China ist weiterhin Thema, ist dieser Band doch eigenständig lesbare Fortsetzung des zwölften Bandes der ausgezeichneten Serie. Aber es wird spannender.

Die chinesischen Besatzer versuchen mit aller Macht, tibetanische Kultur zu vernichten, die tibetanische Eigenständigkeit auszuradieren. Aber: Wo Unterdrückung, da auch Widerstand. Und wie es der Autor so will, steckt Jonathan mit seiner Liebe zur chinesischen Kommandantin und seinem Aufenthaltsort in einem Kloster mittendrin.

Cosey überrascht zuerst mit turtelnden Greisen. Liebe im Alter ist vielleicht kein Tabu mehr, normal ist es aber leider noch nicht. Dann fällt dem Europäer ein sterbender Priester in die Arme. Seine letzten Worte sind verwirrend und führen schlussendlich zu einer alten Handschrift, den "Gesprächen des Lingpa".

Die Handschrift wird in den Westen gerettet, dem Happy End steht leider nur die entstandene Entfernung zwischen unserem Helden und seiner ins Asyl geflohenen chinesischen Geliebten im Weg. Aber der Schluss ist versöhnlich. Trotz der Toten, der fast unmerklichen Schilderung der Gehirnwäsche, euphemistisch "Umerziehung" tituliert, und den unveränderten Macht- und Ohnmachtsverhältnissen in Tibet.

Besonders der vermittelte Gesamteindruck ist seltsam. Eigentlich interessiert sich niemand so richtig für die Besatzer. Die sind da, man muss sich fügen, lebt aber dennoch sein eigenes Leben. Was sich mit deutscher Vergangenheit duckmäuserisch liest, erscheint tolerabel. Ein bisschen Buddhismus mit Sprechblasen und ohne Religionsunterricht.

Die Zeichnungen haben sich von der anfänglichen Anleihe bei seinem Lehrer und Yakari-Zeichner Derib hin zu eine Hommage an Pratt entwickelt.

Fazit:
Knapp und stimmungsvoll, das Gegenteil von überfrachtet und augenfreundlich weichgespült. Deswegen aussagefähig und interessant.

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