Die Fliege

    Verlag
    Reprodukt, Berlin
    Seiten
    100
    Von
    Lewis Trondheim
    Preis
    DM 19,90
    Veröffentlichung
    09/1999



    Trondheim tut es wieder! War der aufgeschlossene Leser schon mit den Abenteuern von Herrn Haase (Carlsen Verlag) aufs heiterste vor den Kopf geschlagen, verleitet Trondheim den Anschauer seiner Geschichte "Die Fliege" erneut zu Nerven zerreißenden philosophischen Exkursionen. In der textlosen Geschichte beschriebt der Meister der präzisen Beobachtung das Leben einer Fliege.

    Zu Beginn ist es eine beliebige Fliege. Doch das Miterleben ihres ersten Fluges, des ersten Bissen aus dem Katzenklo oder dem Entdecken des eigenen Spiegelbildes machen aus dem anonymen Wesen eine Person. Diese technik, die uns schon das Greul des dritten Reiches veranschaulichen sollte (z.B. "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl") funktioniert auch hier. Herausgelöst aus der Masse empfindet man mit der Fliege kindliche Freude beim durchschreiten des Staubes auf der Küchenlampe.

    Die krassen Gegensätze und die fiesen Schläge des Lebens werden nicht beschönigt. So wird die bewußtlose Fliege von einer gemeinen Küchenschabe einfach ihrer Schuhe beraubt. Auch eine gierige Spinne macht der Fliege das Leben schwer. Metaphysisch wird das Werk Trondheims in der zweiten Hälfte. Literarische Zitate aus Klassikern des Genres "Die unglaubliche Geschichte des Mr. C." scheinen den Autor zu dieser Sequenz inspiriert zu haben. Plötzlich entfremdet ein unerklärliches Riesenwachstum das Wesen der Fliege seiner Umwelt. Den Freund muß es zurück lassen.

    Die neue Macht verhilft der Fliege zur Rache an der zuvor lebens bedrohenden Katze. Doch zu welchem Preis?. Verachtung, Anfeindung und Verfolgung muß das einfache Gemüt der Fliege erleiden. Erst das übergleiten in ein Makro-Universum und das erneute sich Eingliedern in eine vertraut wirkene Umwelt bringen das fragile Leben zurück zur Zufriedenheit. Somit endet diese Parabel auf das Leben unserer Gesellschaft für Trondheim ungewöhnlich versöhnlich.

    Sollte der Autor mit seinen eigenen Problemen ins Reine gekommen sein, oder haben die 100 Seiten im schwarz/weiß Druck doch nicht die implezierte Bedeutung? Wie jedes gute philosophische Werk bleibt der Leser vor einer eindeutigen Aussage verschont, nur Trondheim Fans und die, die es werden wollen (dieses Privileg sollte ein jeder sich aneignen) wird mit einem unergründlichen Schmunzeln der Mona Lisa gleich das Werk schließen.



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